Chrissi Myrtsidou-Jung über Gemeinsam gegen Rechtsim Interview mit der Allgäuer Zeitung

Interview mit Chrissi Myrtsidou-Jung über Gemeinsam gegen Rechts in der Allgäuer Zeitung (Kaufbeuren) vom 27.09.2019

Gemeinsam gegen Rechts: Treffen am Sonntag

Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger aus Kaufbeuren und Umgebung trifft sich seit einigen Wochen regelmäßig, um sich über die zunehmende Verbreitung rechter und rechtsextremer Agitation auszutauschen und Aktionen dagegen zu planen. Sie wollen ein Netzwerk aufbauen, um sich aktiv und zielgerichtet gegen die Verrohung der politischen Kultur durch rechte Hetze wehren zu können.

Für viele Kaufbeurer gehören sie mittlerweile zum Alltag: Aufkleber mit Symbolen aus dem gesamten rechten Spektrum – von einer vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuften Partei über andere rechtsextreme Gruppierungen bis hin zu explizit nationalsozialistischen und anderen volksverhetzenden Inhalten. Man findet sie nicht nur an Straßenlaternen, sondern auch an Amts- und Parteibüros, Pfarrhäusern, in Schulen und sogar an privaten Briefkästen engagierter Persönlichkeiten der Kaufbeurer Stadtgesellschaft – offenbar als gezielte Provokation. Der auf Recherchen im rechten Milieu spezialisierte Journalist Sebastian Lipp sprach bei unserer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Frühjahr bereits davon, dass zwar nicht direkt eine Kaufbeurer Szene, jedoch einzelne Personen aus der überregionalen rechten Szene in der Stadt aktiv seien – die möglicherweise mittlerweile weitere Nachahmer finden.

Schon während des Moscheestreits waren Hass- und Drohbotschaften für zahlreiche Mitglieder des Stadtrats und andere Engagierte eine unangenehme Begleiterscheinung ihrer Bemühens um eine offene Gesellschaft. Eine teils grotesk hämische Freude über den Ausgang des Bürgerentscheids einte zahlreiche Akteure des rechten und rechtsextremen Spektrums. Im Landtagswahlkampf vergangenes Jahr wurden in der Neugablonzer Straße Schmierereien mit Nazi-Propaganda und AfD-Wahlaufrufen hinterlassen und insbesondere in der Sudetenstraße eine ganze Reihe an Plakaten anderer Parteien beschmiert oder beklebt. Vor der Europawahl hingen dieses Frühjahr menschenverachtende Plakate einer neonazistischen Kleinstpartei in Kaufbeuren. Immer wieder fühlen sich Anhänger rechten Gedankenguts berufen, aus inhaltlich fragwürdiger politischer Motivation Regeln des zivilen Zusammenlebens zu überschreiten und dabei auch Nazivokabular gegen Andersdenkende einzusetzen – zuletzt etwa in einem hetzerisches Schreiben an die Integrationslotsin Cornelia Paulus. Als weiteren konkreten Anlass für das Treffen schilderte einer der Teilnehmer ein Erlebnis beim „Sound am Markt“-Festival in Neugablonz, wo im Anschluss an die Konzerte ein Besucher mehrfach den Hitlergruß zeigte.

Nach einem ersten Erfahrungsaustausch sammelt die Gruppe nun Ideen, was man gegen diese rechten und rechtsextremen Umtriebe tun könnte. Neben Plänen zu regelmäßigen Demonstrationen und anderen eigenen Veranstaltungen gegen Rechts möchten die Initiatoren um Chrissi Myrtsidou-Jung und Nathan Lüders aus unserem Ortsvorstand auch das breite bestehende Angebot an interessanten Veranstaltungen für eine offene Gesellschaft und lebendige Demokratie in Kaufbeuren hervorheben. Auf verschiedenen Kommunikationswegen sammelt und verbreitet das neue Bündnis „Gemeinsam gegen Rechts“ Informationen, Kontakte und Termine, um so die Vernetzung voranzutreiben und in etwaigen Ernstfällen in der Zukunft solidarisch zusammen zu halten.

Alle, die sich in der Stadt oder auch im Umland gegen Rechts engagieren wollen, können sich über die Email-Adresse kaufbeurengegenrechts@gmail.com oder per Whatsapp/Telegram (+491719423099) mit dem Bündnis vernetzen und ihre Erfahrungen, Informationen, Ideen und Veranstaltungstipps einbringen sowie sich an den Planungen und Treffen beteiligen.

Das nächste Treffen des Aktionsnetzwerks „Kaufbeuren gemeinsam gegen Rechts“ findet am Sonntag, den 29.09. um 19 Uhr im Restaurant Häring (Kemptener Tor 9) statt.

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