Landet das Allgäu auf dem Abstellgleis?

“Wir müssen als Region Allgäu aufpassen, bahntechnische nicht hinten runter zu fallen. Alle politischen Kräfte müssen hier parteiübergreifend zusammenarbeiten.” 

kommentierte unser zweiter Bürgermeister Oliver Schill die sehr zurückhaltenden Pläne zur Verbesserung der Kaufbeurer Bahnanbindung.

Die Allgäuer Grünen fordern gemeinsam mit ihrem Landtagsabgeordneten Thomas Gehring die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) nachdrücklich auf, sich auf Bundesebene für den sofortigen Ausbau der Bahnstrecke München-Pasing-Eichenau mit vier, statt der bisher geplanten drei Gleise einzusetzen. „Wenn das vierte Gleis nicht sofort mitgebaut wird, wird sich die Situation für Pendler*innen aus Kaufbeuren, Kempten und dem Ostallgäu nach München sowie für Tagesausflügler und Touristen im gesamten Allgäu auf Jahrzehnte noch weiter verschlechtern“, ärgert sich der Grüne Abgeordnete über die Entscheidung der Verkehrsministerin, allenfalls eine Option für ein viertes Gleis offenzuhalten.

Für das Allgäu bedeute das konkret, dass es bis in das Jahr 2045/2050 neben der ohnehin nur noch zweistündlichen Direktverbindung keine Entlastungsfahrten mehr für den Tagestourismus ins Oberallgäu und nach Füssen und auch sonst keine einzige zusätzliche Fahrt nach München geben werde. „Die Schweiz hat zudem bereits zur Inbetriebnahme des aktuell geplanten Ausbaus einen Stundentakt auf der Relation Zürich – München fest eingeplant – ohne ein 4. Gleis ist das unmöglich“ erklärt Marcus Kühl, der Beauftragte für Mobilität des Stadtrates in Kaufbeuren.
„Wenn man gleichzeitig die Straße mit einem vierspurigen Ausbau der B12 attraktiver macht und die Bahnverbindungen immer unattraktiver werden, bringen wir ganz sicher nicht mehr Menschen auf die Schiene,“ ergänzt Günter Räder, Fraktionsvorsitzender im Ostallgäu.

Für Christina Mader, Fraktionsvorsitzende im Oberallgäu, ist klar: „Ein späterer Bau des 4. Gleises führt zu vermeidbaren Belastungen sowohl für Fahrgäste als auch Anwohnern*innen und zu Mehrkosten in Millionenhöhe.“ Hier gilt es, vorausschauend mit den finanziellen Ressourcen zu planen.

Ohne einen echten Attraktivitätsschub der Schiene, wozu auch der viergleisige Ausbau der S4 West gehört, ist ein Scheitern der Verkehrswende in der Region Allgäu nicht mehr abwendbar”, ist Thomas Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Kemptner Grünen, überzeugt.

Die Allgäuer Grünen fordern daher geschlossen die sofortige Veröffentlichung einer eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Untersuchung, sowie den dabei unterstellten Fahrplan zur aktuellen Amtsplanung.