Keine Chance zur Klärung offener Fragen.

Der Bundesverband der Gablonzer Industrie beantragte erstmals einen Zuschuss für seine Erlebnisausstellung. Grüne sehen noch Informationsbedarf und beantragen Vertagung.

Der Bundesverband der Gablonzer Industrie betreibt seit 2007 eine sogenannte Erlebnisausstellung. Zuletzt wurde diese Ausstellung mit einem Defizit in Höhe von rund 41.500 EUR pro Jahr betrieben. Der Verband beantragt nun erstmals einen Zuschuss in Höhe von 12.500 EUR pro Jahr. Gerade bei Anträgen, die zum ersten Mal dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegt werden, besteht verständlicherweise besonderer Informationsbedarf:

Warum kann der Bundesverband der Gablonzer Industrie seine Erlebnisausstellung nicht mehr aus eigenen Mitteln finanzieren? Könnte die Einführung eines Eintrittspreises den notwendigen Zuschussbedarf reduzieren? Gibt es alternative Finanzierungsmöglichkeiten?

Fragen, auf die die Beschlussvorlage selbst keine Antwort gibt. Auch der Vortrag seitens der Stadtverwaltung konnte nicht weiterhelfen. Deshalb beantragte Stadtrat Schill für die Grünen, den Tagesordnungspunkt zu vertagen. „Wir möchten uns im direkten Gespräch mit den Vertretern des Verbandes selbst ein Bild machen und unsere Frage mit dem Antragsteller erörtert“, begründete Schill den Antrag und stellte zugleich klar: „Wir wertschätzen die Qualität der Ausstellung ausdrücklich.“ Die Ausstellung ist eine Leistungsschau der Gablonzer Industrie und zeigt ein breites Spektrum von Schmuckwaren, Handtaschen, Gürtel und vieles mehr aus deren aktuellen Kollektionen. „Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass es sich um Spitzenleistungen auf Weltniveau handelt.“ Der Verband selbst weist darauf hin, dass es sich bei der Erlebnisausstellung um eine vertriebsunterstützende Maßnahme für die Gablonzer Industrie handelt. „Insofern ist das ausgewiesene Defizit auch eine Investition ins Marketing. Die Marke Gablonzer Industrie wird damit gepflegt, wovon – so soll es ja auch sein – alle Industriebetriebe des Verbandes profitieren“, erläutert Grünen-Stadtrat Schill, der selbst als Unternehmensberater tätig ist. Ebenso ist unstrittig, dass die hochwertig gestaltete Ausstellung auch eine touristische Bedeutung entfaltet. Denn selbst Fabrikverkaufszentren wie „Wertheim Village“ lassen sich in unserer heutigen konsumorientierten Zeit touristisch bestens vermarkten. „Auch diese Aspekte hätten wir gerne noch mit dem Verband beraten“, so Schill.

Doch dazu wird es nicht kommen. Der Antrag auf Vertagung wurde mehrheitlich abgelehnt. Eine Stimmenthaltung ist im Stadtrat nicht zulässig und infolgedessen stimmte Schill konsequenterweise gegen die sofortige Gewährung des Zuschusses. Denn: „Zu viele Fragen sind noch unbeantwortet. Auf Basis derzeit vorliegenden Informationen lässt sich noch keine abschließende Meinung bilden. Und ich lege Wert darauf, dass unser Nein keine Ablehnung oder gar Geringschätzung der Ausstellung bedeutet.“

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