Kaufbeuren Elektrifizierung Bahn

Kaufbeuren auf dem Abstellgleis? Gespräch mit Marcus Kühl

Bei unserer Infoveranstaltung am Mittwoch erklärte unser Bahnexperte Marcus Kühl (Fahrgastverband PRO BAHN), was auf uns Kaufbeurer und andere vom Kaufbeurer Bahnhof Reisende zukommt, wenn die elektrifizierte Strecke München-Lindau über Memmingen in Betrieb geht.

Dass durch Kaufbeuren weiterhin nur Dieselloks fahren, hat vor allem die Folge, dass diese Verbindungen dann viel öfter nach Augsburg weiterfahren oder in Buchloe enden und man dort in einen elektrischen Zug umsteigen muss. Denn die Bahn hat verständlicherweise kein Interesse daran, mit Dieselloks unter der Oberleitung zu fahren.

Gegen Ende 2021 werden die umstiegsfreien Verbindungen werktags nahezu halbiert. Überfüllte Züge ab Buchloe und verpasste Anschlüsse in Buchloe werden sich dann häufen.

Wer den Anschluss verpasst, bleibt im „Dieselloch“

In den weiteren Elektrifizierungsplänen der Bahn spielt Kaufbeuren bislang eine untergeordnete Rolle. Wenn bereits existierende Pläne umgesetzt werden, die Strecke Augsburg-Buchloe zu elektrifizieren, würde dies die Situation für Kaufbeurer Pendler und Reisende möglicherweise weiter verschlechtern und auch die Direktverbindungen nach Augsburg betreffen.

Die einzige Lösung wäre momentan, dass auch zwischen Buchloe über Kaufbeuren nach Kempten und weiter in Richtung Lindau Oberleitungen gebaut werden. Wasserstoffzüge oder E-E-Hybride, die Strecken ohne Fahrdraht batteriebetrieben überbrücken, sind nach heutigem Stand der Technik für die Allgäubahn Kempten-Kaufbeuren mit ihrer schwierigen Topografie keine Alternative.

 

Anbindung zum Bahnverkehr zur Chefsache machen

Das Gespräch leitete OB-Kandidat Oli Schill, der gemeinsam mit Marcus Kühl und dem Publikum weitere Ideen und Möglichkeiten diskutierte, wie man die Situation für Kaufbeurer Bahnfahrer*innen verbessern könnte.

Fragen aus dem Publikum betrafen dabei die künftigen Fahrzeiten, die geplante Vorort-S-Bahn nach Buchloe sowie den angedachten 3-gleisigen Ausbau der Strecke zwischen München-Pasing und Eichenau. Aus dem Publikum wurde zudem kritisch angemerkt, dass eine Elektrifizierung durch die Brücke der Josefsthaler Straße deutlich erschwert hat. Die Stadt habe hier wissentlich zu niedrig gebaut, die Bahnlinie müsse nun an der Stelle tiefer gelegt werden, im für den Fahrdraht Platz zu schaffen.

Politik für die Kaufbeurer Pendlerinnen und Pendler

Oliver Schill merkte an, sich als Oberbürgermeister dem Thema Bahnverkehr persönlich anzunehmen. Er werde Netzwerke bündeln und energisch die notwendigen Verbesserungen zur Umsetzung führen:

Es geht hier nicht nur um das Bahnhofsgebäude und die Barrierefreiheit. Der Bahnhof ist ja nur ein Haus. Aber was hilft ein barrierefreier Bahnhof, wenn man in Buchloe gleich wieder aus- und umsteigen, womöglich sogar den Bahnsteig wechseln muss?“

Mit zuversichtlicher Hartnäckigkeit und Akribie kann man viel erreichen für die zahlreichen Pendlerinnen und Pendler, die gerne in Kaufbeuren leben, was auch so bleiben soll und kann, wenn es nach Schill geht:

„Das fängt beim Busverkehr an, den wir dringend an den Bahnhof bündeln und bestmöglich takten wollen, geht mit dem barrierefreien Neubau des Gebäudes weiter, aber betrifft auch die Anbindung an das elektrifizierte Schienennetz.“

Marcus Kühl und Oliver Schill (Foto: Susanne Seiffert)

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