Gleichstellung aktiv fördern und dicke Bretter bohren: Ekin Deligöz beim Frauenfrühstück

Frauen sind in der Politik auch 2020 in Deutschland noch unterrepräsentiert und bekommen selbst im Bundestag noch sexistische Abwertung zu spüren. Die Parität bei den Grünen ist hingegen ein Erfolgsmodell, berichtete Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz beim Frauenfrühstück in Kaufbeuren. Am Ende gab es noch einen Überraschungsgast und Neuigkeiten zur Kaufbeurer Kulturwerkstatt.

Ekin Deligöz ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages. Beim Frauenfrühstück am Internationalen Frauentag berichtete sie über ihre Arbeit im Parlament und ihre Aufgabe im Haushaltsausschuss. Anhand einiger konreter Beispiele beschrieb sie, das selbst im höchsten Parlament Deutschlands Gleichbehandlung noch nicht selbstverständlich ist: Frauen müssen sich immer noch mehr beweisen als Männer, bekommen häufig frauenfeindliche Bemerkungen zu hören, werden überhört und übergangen. Bei Reden im Plenum werden weibliche Abgeordnete signifikant häufiger mit Zwischenrufen oder Geräuschen gestört als männliche. All dies ändert sich jedoch, sobald mehr Frauen im Gremium sitzen.

Vieles, was Ekin Deligöz aus dem Bundestags berichtete kommt auch in den Ausschüssen der Stadtratsarbeit vor. Darauf müssen Stadtratskandidatinnen sich leider einstellen, erklärte Stadträtin Ulrike Seifert. Es ist deshalb immer besser, wenn es gemischte Gremien und Ausschüsse gibt. Um Frauenbelange umzusetzen braucht es auch eine Vernetzung über die Parteigrenzen hinweg.

Die Hälfte der Macht den Frauen: Grüne gehen mit Parität voran

Die Grünen überlassen den Weg hin zu mehr Frauenpower nicht dem Zufall oder dem vermeintlich guten Willen mächtiger Männer, sondern haben dank festgeschriebener Regeln innerhalb der Partei seit 25 Jahren wirkliche Gleichberechtigung erreicht. Bei der er Besetzung von Posten, Listen und Gremien werden immer zu 50 Prozent Frauen berücksichtigt. So stehen auch auf der grünen Liste für den Kaufbeurer Stadtrat 20 Frauen und 20 Männer zur Wahl, in der aktuellen Stadtratsfraktion sind sogar 75 Prozent Frauen – ein für deutlich überdurchschnittlicher Frauenanteil auch im innerparteilichen Vergleich in Bayern.

Grafik: Grüne Bayern

Ekin Deligöz sprach sich zudem für mehr Frauenförderung auf und ermunterte die zahlreich zum Frühstück erschienenen Frauen persönlich, sich einzumischen und nicht zurückzustecken. Letztendlich geht es auch um Anliegen von Frauen, Familien, um die Lebensqualität und die Freiheit, das zu tun was man möchte – Themen, die bei vorwiegend männlichen Parlamenten oft zu kurz kommen.

Hahn im Korb im Hotel Hasen: Oliver Schill beim Frauenfrühstück

Später durfte Oliver Schill als Oberbürgermeister-Kandidat der reinen Frauenrunde Rede und Antwort stehen. Er berichtete von seinen Erfahrungen beruflich wie privat zur Gleichstellung von Frau und Mann. Besonders spannend war zu hören, wie ihn die Zeit direkt nach der Wende in Dresden „als Mann aus dem Westen“ geprägt hat.

Oliver Schill. Unser Oberbügermeister für Kaufbeuren.

Überzeugend und kompetent erläuterte Schill auf Nachfrage, an welchen Stellschrauben er als Oberbürgermeister drehen wird, um Verbesserungen in Sachen Gleichstellung zu erzielen. Besonderes Interesse weckten dabei seine Beschreibung, wie die Einführung der Beitragsfreiheit in den Kitas schleichend zu Qualitätsverschlechterungen führt und sich z. B. auch die Randöffnungszeiten nach und nach reduziert haben.

Die Folge ist weniger Flexibilität, und damit schlechtere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da besteht dringend Handlungsbedarf. Wir wollen schließlich nicht nur Familienziel ans Ortsschild schreiben, sondern auch tatsächlich etwas dafür tun“, so Schill.

Chrissi Myrtsidou-Jung, Oliver Schill, Ekin Deligöz

Dank Deligöz: Kulturwerkstatt kann größer werden

Zum Schluss berichtete Ekin Deligöz noch über den Stand der Dinge bei ihren hartnäckigen Bemühungen für die Kulturwerkstatt Kaufbeuren. Die etablierte Größe im Kaufbeurer Kulturleben will sich fit für die Zukunft machen. Dazu soll das Gebäude saniert und erweitert werden. Erst kürzlich wurde bekannt gegeben, dass dieses Projekt nun für die Städtebauförderung angemeldet wurde. Lange Zeit war aufgrund komplexer Förderungsbedingungen unklar, ob es überhaupt klappen könne. Doch seit ihrem letzten Besuch in Kaufbeuren hat Ekin Deligöz nichts unversucht gelassen, eine Lösung zu finden.

Dafür bedankte sich OB-Kandidat Oliver Schill bei der grünen Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz: „Ihrem Ausdauer, ihrem Einsatz und ihrer persönlichen Vorsprache bei Bundesminister Seehofer haben wir es zu verdanken, dass die Stadt Kaufbeuren die Fördermittel nun beantragen kann. Als Mitglieds des Haushaltsausschuss weiß sie, wie man dicke Bretter bohrt. Wir freuen uns, dass sie dies auch für uns und unsere Kulturwerkstatt getan hat.“

Ekin Deligöz in der Kulturwerkstatt: Unterstützung zugesagt

 

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