Forettle: „Gehen Sie zurück auf Los…“

Sollte es nun Sport statt Elektro geben, dann verliert die Verträglichkeitsanalyse ihr Fundament und das Fachmarkzentrum seine Berechtigung.

Schill, Oliver. 300 px

Fraktionsvize Oliver Schill

Was wurde nicht alles in Sachen Fachmarktzentrum im Forettle diskutiert und begutachtet! Eine schier endlose Themenliste lässt sich hier aufzählen. Doch eine einzige Untersuchung ist von ganz besonderer Bedeutung. Schließlich war sie der Schlüssel für das Ja im Stadtrat. Es war dies die so genannte Verträglichkeitsanalyse. Hier musste der Berliner Investor nachweisen, dass sein Großvorhaben kein Schaden für die Kaufbeurer Innenstadt mit sich bringt. Diesen Nachweis führte er mit einem von ihm selbst beauftragten Gutachter.

Grundlage dieser Untersuchung sind die vorgesehenen Verkaufsflächen und Sortimente. „Wenn nun aber das Sortiment komplett geändert wird, also Elektro raus und Sport rein, dann sind alle bisherigen Aussagen zur Verträglichkeit für die Katz“, bringt es Oliver Schill auf den Punkt. „Auf dieser Grundlage dem Investor mit einer Baugenehmigung einen Freifahrtschein zu erteilen, wäre fahrlässig.“ Für Schill wäre es nun der richtige Zeitpunkt, das Projekt komplett zu begraben und von vorn zu beginnen. „Lasst uns endlich aufhören, einen toten Gaul zu reiten.“

Im Einzelhandelsgutachten, das von der Stadt beauftragt wurde, ist das zusätzliche Verkaufspotential bis 2017 in Sachen Sport mit Null ausgewiesen. Auf gut deutsch: Mehr Fläche bringt nichts, sondern führt nur zu einem Verdrängungswettbewerb. Einer gewinnt, die andern verlieren. Aber, wollen wir das? Welche Folgen hätte das für unsere Stadt? Wie sieht dann die Zukunft aus zum Beispiel für das Sportfachgeschäft in der Kaiser-Max-Straße oder unsere inhabergeführten Anbieter in Neugablonz? Schill weiter: „Wir haben nichts gegen Wettbewerb, im Gegenteil. Gesunder Wettbewerb sorgt dafür, dass wir alle mit allem gut versorgt werden, und dies zu akzeptablen Preisen. Doch die Grenze ist dann erreicht, wenn gesunde Wettbewerbsstrukturen zerstört werden und zum Beispiel heimische Arbeitsplätze in Gefahr sind.“

Im Sportartikelmarkt findet derzeit im süddeutschen Raum ein aggressiver Verdrängungswettbewerb statt. Verlierer sind dabei oftmals die Mitarbeiter etablierter Fachgeschäfte. Die Kunden profitieren auch nur kurzfristig. Denn sobald die Mitbewerber vom lokalen Markt verdrängt sind, fallen plötzlich die „Dauersonderangebote“ weg, Service bleibt aus, oder kostet extra.

„Wir müssen aufpassen, dass man uns hier kein Kuckucksei ins Nest legt“, bewertet Schill das Ansinnen des Berliner Investors, nun mit dem Sortiment Sport sein Konstrukt Fachmarktzentrum weiter am Leben zu halten.

Stadtrat Schill weiter: „Es stellt sich mir immer mehr die Frage: Wer ist denn hier, nicht rechtlich, sondern tatsächlich der Herr des Verfahrens? Derzeit hat man das Gefühl, als ob die Stadt dem Investor hilflos ausgeliefert wäre. Das darf nicht sein, wir müssen nun das Heft des Handelns in die Hand nehmen und sagen, wo es lang geht. Zielgerichtete, von der Politik geleitete Stadtentwicklung sieht für mich anders aus.“

Und Schill dabei: „Mit diesem preußischen Eiertanz verlieren wir wertvolle Zeit und gleichzeitig werden alternative Investitionen an diesem Standort verhindert.“

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