Seit Jahren setzen sich die Grünen für eine nachhaltige und zukunftssichere Bahnverbindung in der Region Allgäu ein. Nun zeigt dieses Engagement Wirkung: Die Planungen für einen dieselfreien Schienenpersonennahverkehr in Schwaben und im westlichen Oberbayern werden konkreter. Ziel ist es, den Dieselbetrieb zu beenden und alle Linien auf elektrischen Betrieb oder Akku-Züge umzustellen.
Investitionen in die Schieneninfrastruktur
Das Gutachten zur Dekarbonisierung ermittelt die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen: Die Elektrifizierung der Strecke Neu-Ulm – Kempten soll bis Oberstdorf verlängert werden, damit die gesamte Illertalbahn elektrisch betrieben werden kann. Auf weiteren Strecken werden Akku-Züge eingesetzt, die ihre Batterien an elektrifizierten Abschnitten oder in Bahnhöfen mit Ladestationen aufladen können.
Geplante Elektrifizierungen und Ladestationen
Folgende Strecken sollen mit Oberleitungen ausgestattet werden:
- Augsburg-Hochzoll – Obergriesbach
- Augsburg Hbf – Bobingen
- Buchloe – Biessenhofen
- Weilheim – Peißenberg
Ladestationen werden in Füssen und Krumbach entstehen, während ein Unterwerk zur Bahnstromversorgung in Immenstadt geplant ist.
Umstellung auf Akku- und Elektroantrieb
Sieben bisherige Diesellinien werden auf vollelektrischen Betrieb umgestellt, darunter die RE 75 (Ulm – Kempten – Oberstdorf) und die RS 7 (Ulm – Memmingen). Auf fünf Linien wird der Betrieb auf Neigetechnik-Akkufahrzeugen umgestellt, unter anderem die RE 17 (Augsburg – Oberstdorf) und die RE 76 (München – Oberstdorf). Neun weitere Linien erhalten Akku-Betrieb mit konventionellen Fahrzeugen.
Das neue Neigetechnik-Fahrzeug wird als reines Akku-Fahrzeug geplant. Die ursprünglichen Überlegungen zum Wasserstoffbetrieb haben sich als nicht praktikabel erwiesen. Das Gutachten zeigt, dass die Kombination von Akku- und Wasserstoffantrieb technisch zu aufwendig und risikoreich wäre, zudem entfällt der kostenintensive Aufbau einer Versorgungs- und Betankungsinfrastruktur für Wasserstoff. Stattdessen werden in Oberstdorf und Kempten als erste Maßnahmen Lademöglichkeiten für Akkus geschaffen.
Die Planungen für den Infrastrukturausbau sollen noch in diesem Jahr konkretisiert werden. Parallel dazu wird eine Bundesförderung gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) angestrebt.
Marcus Kühl, Mitglied der Grünen-Stadtratsfraktion und Umwelt- und Mobilitätsbeauftragter der Stadt Kaufbeuren, zeigt sich erfreut über die Fortschritte: „Seit meinem Amtsantritt im Jahr 2020 setze ich mich für eine nachhaltige und zukunftssichere Bahnverbindung in der Region Allgäu ein. Die Elektrifizierung der bestehenden Strecken hat dabei oberste Priorität. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass unser dauerhaftes und energisches Engagement nun Früchte trägt. Wir haben für die Zukunft die Chance, wieder umsteigefrei nach München zu fahren – eine große Erleichterung für unsere Pendlerinnen und Pendler.“
Er betont zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit mit dem Fahrgastverband Pro Bahn und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD):
„Gemeinsam haben wir viel erreicht. Jetzt gilt es, diesen Schwung zu nutzen und den nächsten Schritt konsequent zu gehen. Unsere Bahn muss wieder zuverlässig werden und ausreichend Sitzplätze bieten. ‚Sitzplätze statt Stehplätze‘ – das ist meine klare Forderung. Nur so kann die Bahn das werden, was sie schon immer sein sollte: die Speerspitze für eine klimaschonende Mobilität.“
Ein Dank geht auch an die Ampel-Regierung, die trotz schwieriger Haushaltslage mehr Geld denn je in den Bahnausbau gesteckt hat – eine Unterstützung, die es unter CSU-Bundesverkehrsministern so nie gegeben habe.
Mit den geplanten Maßnahmen wird der Bahnverkehr in Schwaben und im westlichen Oberbayern nachhaltiger, leistungsfähiger und attraktiver für die Fahrgäste. Die Grünen Kaufbeuren begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich und fordern eine zügige Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen.