Rückblick Podiumsdiskussion 28.2.2014: Lebenswertes Kaufbeuren – Wie viel Natur braucht Kaufbeuren?

Podiumsdiskussion mit Fachkräften der Landschaftspflege und des Bürgerengagement beziehen Stellung zu Naturnutz und Naturschutz in Kaufbeuren

Rückblick Podiumsdiskussion 28.2.2014
  • Welche Chance hat Naturvielfalt in der Stadt?
  • Wie viel ist den Kaufbeurern eine intakte Umwelt und der Erhalt von Naturvielfalt Wert?
  • Was ist in Kaufbeuren schützenswert und kostbar?
  • Wie können Biotope und Naturkostbarkeiten für die Zukunft erhalten werden?

Diese Fragestellungen erörterten auf einer Podiumsdiskussion die Fachkräfte Christine Räder, Geschäftsstellenleiterin BUND Naturschutz Ostallgäu-Kaufbeuren e. V., Josef Freuding, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverband Ostallgäu e. V., Peter Konrad, Fischer und Mitglied der Wertachallianz sowie Anton Freuding, ehemaliger Sprecher der Bürgerinitiative Kaufbeuren „Für mehr Lebensqualität”.

Eingeladen dazu hatte Stadträtin Ulrike Seifert ins EU-Büro von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN. Auf die Frage, von Ulrike Seifert, ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Landschaftspflegeverband Ostallgäu, wie Naturkostbarkeiten für die nachfolgenden Generationen erhalten werden können meinte Josef Freuding: „Natur macht an den Stadtgrenzen nicht halt macht. Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren brauchen einen Genaustausch zum Überleben. Gemeinsame Strategien mit den Umlandgemeinden bewähren sich hier.“ Er regte an, dass bei der Gestaltung von Erlebnis- und Erholungsmöglichkeiten gemeinde- und stadtübergreifende Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden sollten. Peter Konrad unterstrich den Ansatz am Beispiel Renaturierung der Wertach. Hier kann der Gewässerentwicklungsplan nur mit allen Gewässeranliegern und Nachbargemeinden umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass den Stadtspitzen die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Projektes bewusst ist. Stetige Eintiefung der Wertach, fehlender Kies, zunehmende und unberechenbare Hochwässer machen einen vorbeugenden Hochwasserschutz notwendig.

Einhellig waren alle Podiumsteilnehmende der Meinung, dass mehr Naturbewusstsein der Bürger und praktische Beteiligung notwendig ist. Christine Räder unterstrich die Bereitschaft der Kaufbeurer, sich bei der Biotoppflege mit viel körperlichem Einsatz zu beteiligen. Anton Freuding berichtete über das Bürgerengagement gegen die Müllverbrennung in Kaufbeuren Nord. Hier gelang es anschließend den kleinen Hofangerbach zu renaturieren. Sehr zur Freude von Kindern und Familien. Denn Spiel in natürlicher Umgebung kommt dem Wohlbefinden, der Gesundheit entgegen und fördert das Umweltwissen zukünftiger Generationen.

Die Magerrasenwiese an der Alten Poststraße mitten in der Stadt wurde als Beispiel der Naturkostbarkeiten von überregionaler Bedeutung genannt. Mit dem Bayerischen Löffelkraut, den Wertachauen und dem Hochmoor am Bachtelsee besitzt Kaufbeuren viele eher unbekannte Kostbarkeiten.

Als Eckpfeiler für den Erhalt von Naturvielfalt in Kaufbeuren wurden in der Diskussion der Ausbau der kommunalen Umweltbildung, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien, aufgezählt. Die Belebung von runden Tische und praktischen Projekten mit Bürgern und Naturschutzorganisationen wurde hervorgehoben. Ein Verbund von Lebensräumen von Tier- und Pflanzengesellschaften vor der Haustür, statt Ausgleichflächen weit weg, wären notwenig und sind gut, um das Ökokonto aufzufüllen. Die Renaturierung der kleineren Kaufbeurer Bäche in gemeinsamen Bürgerprojekten ist anzustreben.

Letzt endlich sollte in einer kommunalen Biodiversitätsstrategien der Erhalt der biologischen Vielfalt in der Stadt festgehalten und umgesetzt werden. Voraussetzung für ein Engagement ist jedoch, dass das Naturbewusstsein von Bürgerinnen und Bürgern, Politikern, der Stadtverwaltung mit allen Mitarbeitenden gestärkt wird. Zum Schluss wurde ein besonderer Wunsch an alle Kaufbeurer Bürger gerichtet. Nicht die Kommune allein ist für Naturschutz und Naturnutz zuständig, sondern alle Bürger sind für den Erhalt von Natur in der Stadt verantwortlich. Ein afrikanische Sprichwort drückt es so aus: „Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“.

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